Königin der Apostel

Das sogenannte Zönakulums-Bild, das die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Gemeinschaft der Apostel mit Maria darstellt. Vinzenz Pallotti sieht darin den bildhaften Ausdruck für die Verantwortlichkeit des Christen für Glaube und Kirche: Alle machen mit, Priester und Gläubige, Frauen und Männer, Jung und Alt. Original: Cesaretti nach einem Stich von Johann Friedrich Overbeck (1789 - 1869) Rom

Vinzenz Pallotti erlebte als Priester in Rom viele Menschen, die kaum Glaubenswissen, wenig Glaubenspraxis und viel Glaubens- und darum Sinnleere hatten. Doch er ist überzeugt, dass alle, denen Glauben ein Anliegen ist, einen regelrechten Auftrag haben, die Lebendigkeit des Glaubens im eigenen Leben und im Leben anderer zu fördern.
Das Bild der Königin der Apostel wird ihm zum Leitmotiv, diese Idee zu verkündigen. Er ist nicht der Erfinder dieses Bildes. Andere haben es vor ihm als "Vehikel ihrer Verkündigung" gebraucht, um weniger den Verstand als das Herz zu erreichen.

In Loreto, dem bedeutendsten Marienwallfahrtsort Italiens, betet man seit unvordenklichen Zeiten die so genannte Lauretanische Litanei. Zu den Anrufungen der Mutter Jesu ist hier auch der Titel Königin hinzugekommen, obgleich er eher weniger zu dem Mädchen aus Nazareth passt. Aber schon Hieronymus hatte den Namen Mirijam aus dem Syrischen mit "Herrscherin" übersetzt. Wie, warum und wo erstmals die Anrufung "Königin der Apostel" entstand, ist unbekannt. Vielleicht in Loreto. Der biblische Hintergrund zum Titel "Königin der Apostel" stammt von Lukas. Er beschreibt in seiner Apostelgeschichte die junge Gemeinde Jerusalems nach der Himmelfahrt Christi. Sie gingen "in das Obergemach hinauf, wo sie ständig blieben". In seinem Evangelium hatte er noch geschrieben, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach dessen Himmelfahrt "in großer Freude nach Jerusalem" zurückkehrten. "Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott" (Lk 24,52). Hier tut sich ein Widerspruch auf: Freude und Tempel oder Unsicherheit und Obergemach?

Kunst und Frömmigkeit haben im Laufe der Geschichte gezeigt, dass das Obergemach Ort des Abendmahls, des gemeinsamen Gebets der jungen Gemeinde und der Geistsendung war. Das Obergemach ist Ort der Zuflucht, der Sammlung, der Orientierung, des Kraftschöpfens vor der Tat. Das Obergemach steht für Hoffnung und Gottvertrauen. Mehr als den Ort will Lukas mit Obergemach die erlebte Gebetsgemeinschaft malen. Sein Bild sagt: immer wenn Kirche in schwieriger Situation ist, dann ist Gebetsgemeinschaft aller angesagt, Bitte um den Geist Gottes. Das Obergemach, das "Zönakulum", bietet keine Antworten, es ist ein zu gehender Weg.

Pallottis liebstes Marienbild

In seiner Zeit erlebt Vinzenz Pallotti eine schwierige Situation der Kirche. Er spürt die Schwäche des Glaubens. Glaube bedeutet für ihn: Liebe zu Gott, Beziehung mit Jesus Christus, Hinwendung zu den Menschen. Glaube bedeutet auch: Verantwortung für den Glauben. Und diese Verantwortung ist nicht an ein Amt gebunden. Vinzenz Pallotti erschließt das aus der Pfingstszene. Maria ist - ohne Amt - doch "Königin der Apostel", weil sie sich in die Verantwortung nehmen ließ, den Glauben zu stärken und dem Wirken des Geistes Gottes Raum zu geben. Darum ist Pallotti das Zönakulum so wichtig. Ihm, der zweimal im Leben nach Loreto wallfahrtete, sagt in diesem Zusammenhang ein Gemälde des Nazareners Friedrich Overbeck sehr zu. Er lässt es von Seraph Cesaretti für die Vereinigung des Katholischen Apostolates nachmalen. Um aber auszudrücken, dass der Geist auf alle Jüngerinnen und Jünger Jesu herabkam, dass also alle aus der Sammlung in die Sendung geschickt wurden, muss Cesaretti zwei Frauen ins Bild aufnehmen. Der Urgrund des Pfingstbildes war damit voll erfasst und ausgedrückt. Was Lukas sagen wollte, was die Lauretanische Litanei ins Lebensgefühl der Betenden getragen hat, das wird bei Vinzenz Pallotti "Kirchenpolitik". Maria als "Königin der Apostel" zu verehren bedeutet, das gemeinschaftliche Gebet um den Geist zu pflegen und sich dann konkret zu fragen: Was ist mein / unser Auftrag in und für die Kirche!