Epiphanie

Vinzenz Pallotti war das Epiphanie-Fest besonders wichtig geworden. Er nennt es "eines der anziehendsten Geheimnisse unseres Glaubens". Es bot ihm die Gelegenheit, seine Idee darzustellen und so zu feiern, dass Menschen begeistert wurden.

1835 wird Vinzenz Pallotti Rektor an der Neapolitanischen Nationalkirche Spirito Santo. In diese Kirche lädt er im Januar 1836 zum ersten Mal zur Feier der Epiphanie-Oktav ein. Es ist nicht bekannt, wie er auf die Idee zu dieser Feier kam: Ließ er sich anstecken von den Visionen der Luisa Maurizi? Sie betonten das Königtum des göttlichen Kindes und sprachen sich für eine große Feierlichkeit des Dreikönigstages aus. Vinzenz Pallotti kannte Luisa Maurizi, deren geistlicher Begleiter er war. Und er kannte die Epiphaniefeier im Propagandakolleg. Hier studierten Priesteramtskandidaten aus der ganzen Welt. Hier erlebte er, dass man am Dreikönigstag festlich das Lateinische Hochamt feierte und eine zweite Messe im orientalischen Ritus. Sonntags oder montags nach dem Fest wurde ein so genanntes Sprachenfest veranstaltet. Die Studenten trugen in ihren jeweiligen Heimatsprachen Hymnen zu Ehren des göttlichen Kindes vor. So wurde die Universalität der Kirche erlebbar.

In der Barockkirche Sant'Andrea della Valle feierte die Vereinigung das Fest der Epiphanie des Herrn.

Mit der Feier 1836 wurden wesentliche Züge grundgelegt. Acht Tage lang Gottesdienste in lateinischen und orientalischen Riten, Predigten in Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch, großartig aufgezogene Eröffnungs- und Schlussfeiern. Das Ganze - würde man heute sagen - wurde zum Event, wie es nur in einer Weltstadt mit internationalem Publikum möglich war. Schon die erste Feier war ein glänzender Erfolg. Spirito Santo war zu klein. In den folgenden Jahren ging man nach San Carlo al Corso, San Silvestro in Capite und dann in die große Barockkirche Sant' Andrea della Valle.

Vinzenz Pallotti konnte bedeutende Ordensgeneräle für die Predigten gewinnen, bekannte Kardinäle für die Segensfeiern. Am 13. Januar 1847 hielt der selig gesprochene Papst Pius IX. die Schlusspredigt. Mit der ersten so erfolgreichen Epiphanieoktav war die Vereinigung des Katholischen Apostolates plötzlich in der ganzen Stadt bekannt. Bewundert wurde das Miteinander von Diözesan- und Ordensklerus bei der Vorbereitung und Durchführung der Feier, denn das war nicht selbstverständlich. Typisch eben für das Charisma des Miteinanders Vinzenz Pallottis. Die Vereinigung wollte ganz bewusst die unterschiedlichen "Stände der Kirche" zusammenführen.

Die Epiphanieoktav zeigte auch die doppelte Zielrichtung der Vereinigung. Sie war ein Fest der "auswärtigen Mission". Die entsprechenden Predigten und Sammlungen unterstützten ein damals so nicht gekanntes Interesse an der Missionsarbeit der Kirche. Sie war aber auch ein Fest der "Volksmission". Die Vertiefung des Glaubenswissens sollte der Erneuerung des Glaubens dienen. Seit 1837 druckte man auf die Einladungsplakate denn auch: "Feier der Epiphanie-Oktav zur Vertiefung, Verteidigung und Verbreitung der Frömmigkeit und des katholischen Glaubens."

Einheit und Freude an der Vielfalt des katholischen Glaubens, Mission und Erneuerung des Glaubens: all das fand in der Feier einladend und begeisternd Ausdruck.

Seitdem 1969 im Zuge der Liturgiereform die Oktav zu Epiphanie im Liturgischen Kalender gestrichen wurde, feierte die Vereinigung des Katholischen Apostolates nur noch den Festtag Epiphanie, Erscheinung des Herrn, in besonderer Weise. Doch in den letzten Jahren gibt es vereinzelt Neuaufbrüche, so dass um und an diesem Festtag zu besonderen Feiern eingeladen wird.

Eine neue Verwendung finden die überlebensgroße Krippenfiguren, die Vinzenz Pallotti im Jahr 1842 für die Feiern anfertigen ließ. Sie finden seit 1982 in der alljährlich neu gestalteten Krippe auf dem Petersplatz in Rom ihren Platz (Krippe 2012).